Fermentiertes für Babys: Ab wann, wie viel und womit anfangen?

Fermentiertes für Babys für die Beikost

Fermentiertes für Babys ist eine der kraftvollsten Möglichkeiten, lebendige Mikroorganismen und eine große Vielfalt verschiedener Mikroben, Vitamine und Enzyme ganz natürlich in die Ernährung unserer Babys zu bringen. 

In einem Fermentglas steckt eine mikrobielle Komplexität, die sich niemals in einer Kapsel oder in einem Pulver nachbilden lässt. Bis heute kann kein Labor der Welt zum Beispiel die unzähligen Bakterienstämme, die in Kefir enthalten sind, kopieren!

Und genau deshalb gehört für mich Fermentiertes für Babys und die ganze Familie ganz selbstverständlich auf den Familientisch. Und sie sollten Teil von Mamas Ernährung sein. Denn Darm, Immunsystem und Muttermilch stehen miteinander in Verbindung, und auch der Transfer bestimmter mütterlicher Darmbakterien in die Muttermilch steht im Fokus der Forschung. So bekommt dein Baby über die Muttermilch täglich nicht nur Nährstoffe und Immunfaktoren, sondern auch seine daily dose of microbes. Und auch über die Stillzeit hinaus machen Mikroben dein Mikrobiom vielfältiger, deine Verdauungsfunktion effektiver, dein Immunsystem resilienter und dich – wenn du dranbleibst – stärker und gesünder.

Und mit Beginn der Beikost sollten Fermente so früh wie möglich auch selbst fester Bestandteil der Babyernährung werden.

Aber wie steige ich bei Baby damit ein? Sollte ich einem Baby einfach eine Schüssel Sauerkraut hinstellen? Auf keinen Fall!

Als zertifizierte Fermentista – und eine der wenigen Baby-Fermentistas – möchte ich euch deshalb zeigen, wie ein behutsamer und sicherer Einstieg in die Welt der Fermente aussehen kann:  Mit welchem Ferment ihr starten könnt (inklusive Videoanleitung), wie winzig die ersten Mengen tatsächlich sein dürfen – und warum nicht die Menge, sondern Kontinuität der Schlüssel beim Probiotika-Aufbau bei Babys und Kindern ist.

Oder anders gesagt: Fermente für Babys – yes, I get it. Aber hilfe, Bettina, wie fange ich damit konkret an?

Fermentiertes für Babys: mein mildes Einstiegsferment – inklusive Videoanleitung

Wir starten erst mit der Einführung probiotischer Lebensmittel und Fermente mit der Beikost. Allerdings ist das Fenster bis zur Beikost keine passive Wartezeit. Viele Babys zeigen bereits vor der Beikost sehr deutlich, dass sie Unterstützung im Darm gebrauchen könnten. So können z. B. häufiges Spucken, geringe Gewichtszunahme, High-Need-Verhalten oder schlechter Schlaf Zeichen sein, den Fokus bereits jetzt auf Darm und Mikrobiom zu richten.

Zusätzlich zur Muttermilch, die dem Baby das Muttermilch-Mikrobiom liefert, empfehle ich allen Babys ab Tag 0 ein geeignetes Säuglingsprobiotikum – gestillten Babys genauso wie Flaschenkindern. Denn bevor mit dem Beikoststart die ersten fermentierten Lebensmittel hinzukommen, ist ein Probiotikum für mich eine Möglichkeit, dem Baby bereits in dieser frühen Phase gezielt ausgewählte Mikroorganismen zuzuführen und Darm und Mikrobiom sanft auf die viel stärkeren probioitschen Lebensmittel vorzubereiten. Dabei starte ich mit einer sehr kleinen Menge und bleibe  konsequent bei der täglichen Gabe. Nicht möglichst viel auf einmal, sondern Kontinuität ist für mich gerade am Anfang entscheidend.

Ich persönlich arbeite mit dem Smidge Infant Probiotic, weil es genau die Kriterien erfüllt, die mir bei einem Säuglingsprobiotikum wichtig sind: eine vielfältige Bakterienzusammensetzung, für mich passende Bakterienstämme und eine Rezeptur ohne zugesetzte Präbiotika.

Und dann beginnt die Beikost – jetzt können lebendige, fermentierte Lebensmittel selbst Teil des Speiseplans werden. Aber eins nach dem anderen. Und nein: Das erste Ferment ist bei mir nicht Sauerkraut!

Die Methode, die ich in babybiom lehre, orientiert sich an traditioneller Ernährung und unter anderem am GAPS-Protokoll von Dr. Natasha Campbell-McBride, die in ihrer klinischen Tätigkeit und später in ihren Büchern eine Methode lehrt, wie Probiotika und Fermente eingeführt werden.

Wenn dein Baby seine erste Beikost gut annimmt, kommen die ersten Fermente ins Spiel. Dabei starten wir zuerst mit der Lake.

Eines meiner liebsten milden Ferment-Tonics ist das Kohl-Tonic – gewissermaßen eine leichtere Variante des klassischen Sauerkrautsafts. Kohl liefert von Natur aus Vitamin C, das der Körper als Co-Faktor für die Kollagensynthese benötigt. Das finde ich gerade in Kombination mit unseren kollagenreichen Fleischbrühen spannend, mit denen wir bei babybiom in die Beikost starten. Sie liefern unter anderem Gelatine bzw. Kollagenbestandteile, Aminosäuren und gesunde Fette. Andere Vitamin-C-haltige Lebensmittel wie Zitrone können gerade zu Beginn für viele Babys noch sehr reizend sein – Kohl ist hier für mich die mildere Alternative.

Und auch hier starten wir winzig: mit einem einzigen Tropfen Kohl-Tonic. Dann beobachten wir, wie das Baby reagiert.

Wie mache ich den? ganz einfach! die Anleitung findest du im Video
 

Wie du das Kohl-Tonic ganz einfach selbst machst? Die Anleitung findest du direkt hier im Video.

 

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Easy-Peasy Kohl-Tonic – Fermentiertes für Baby Lektion aus dem babybiom Baby-Beikostkurs

Keine falschen Schlüsse: Was du über Reaktionen auf probiotische Lebensmittel wissen solltest

Wenn wir Fermentiertes für Babys oder Probiotika neu einführen, gilt für mich ein Grundsatz ganz besonders: langsam starten und genau beobachten. Denn es kann gerade zu Beginn oder nach einer Mengensteigerung zu vorübergehenden Reaktionen kommen.

In der GAPS-Literatur von Dr. Natasha Campbell-McBride werden solche Reaktionen als „Die-Off“ oder Absterbereaktion beschrieben. Nach dem GAPS-Modell können neu zugeführte Mikroorganismen das bestehende mikrobielle Milieu verändern und mit anderen Mikroorganismen konkurrieren. Campbell-McBride führt solche anfänglichen Verschlechterungen darauf zurück, dass unerwünschte Mikroorganismen zurückgedrängt werden und dabei Stoffwechsel- und Zerfallsprodukte entstehen, mit denen der Körper anschließend umgehen muss.

Bei probiotischen Lebensmitteln wie Gemüsefermenten bedeutet ein solcher Die-Off im GAPS-Modell also nicht automatisch: „Dieses Lebensmittel tut mir nicht gut.“ Er wird vielmehr als mögliche vorübergehende Begleiterscheinung einer Veränderung des mikrobiellen Milieus verstanden.

Und genau hier möchte ich, dass ihr keine vorschnellen Schlüsse zieht. Wenn dein Baby auf ein neu eingeführtes Ferment reagiert, bedeutet das nicht automatisch: „Fermente sind nichts für mein Baby.“ Campbell-McBride beschreibt im Zusammenhang mit der Einführung von Probiotika unterschiedliche vorübergehende Beschwerden. In der Praxis kann das zunächst wie eine Erstverschlimmerung genau der Beschwerden aussehen, die ihr bei eurem Baby eigentlich verbessern möchtet: Bei manchen Babys flammt beispielsweise ein Ekzem auf, andere bekommen Blähungen oder Durchfall, wieder andere reagieren mit verstärkt weinerlichem oder anhänglichem Verhalten.

Diese Reaktionen sind vorübergehend, sollten aber für dich und dein Baby jederzeit handhabbar bleiben. Meine Regel lautet daher: Wir starten winzig. Wird die Menge gut vertragen, steigern wir langsam und stabilisieren jede neue Menge für mindestens drei Tage, bevor wir weiter erhöhen. Bei deutlicheren Reaktionen wird die Menge zunächst stabilisiert oder reduziert, bei sehr starken Reaktionen pausiert. Erst wenn sich die Situation wieder beruhigt hat, bauen wir weiter auf. Wurden die Fermente komplett pausiert, starten wir anschließend mit einer noch kleineren Menge erneut.

Und manchmal braucht dieser Weg eben nicht Tage, sondern Wochen.

Und selbst wenn dein Baby am Anfang nur kleine Mengen verträgt: unterschätzt diesen einen Tropfen nicht: Je nach Ferment können bereits in einem einzigen Tropfen Hunderttausende bis Millionen lebender Mikroorganismen stecken.

Und wie geht es nach dem ersten Ferment weiter?

Wenn dein Baby das erste Ferment, zum Beispiel Kohl-Tonic, gut verträgt, wird zunächst die Menge langsam gesteigert. Für die erste Zeit der Beikost empfehle ich, sich – abhängig von den Reaktionen, die wir im vorherigen Abschnitt besprochen haben – langsam an etwa einen Teelöffel probiotisches Getränk täglich, wie Kohl-Tonic oder Molke, heranzutasten. Molke lehre ich auch als eines der ersten Fermente in babybiom, da die darin enthaltenen Mikroben Babys Darm wunderbar auf die spätere Verträglichkeit von Milchprodukten vorbereiten können (aber Vorsicht: Molke enthält noch Restmengen an Laktose und Casein).

Mit zunehmender Beikostvielfalt kann die Menge über die folgenden Wochen/Monate langsam und stetig weiter gesteigert werden, bis ihr beispielsweise bei zwei Teelöffeln probiotischem Getränk zu den Hauptmahlzeiten angekommen seid. Den genauen Aufbau und die Mengen zeige ich euch Schritt für Schritt in babybiom. Wichtig sind wirklich die tägliche Beständigkeit, Konsistenz und der sanfte Aufbau, abhängig von der Toleranz eures Babys.

Parallel dazu wird natürlich auch – erst nach Verträglichkeit von Molke – die Menge fermentierter Milchprodukte langsam gesteigert. Besonders kraftvoll finde ich dabei Kefirprodukte. Aber Achtung: In BABYBIOM führen wir Kefir bewusst erst nach problemloser Verträglichkeit von Joghurtmolke, Joghurt und/oder Sauerrahm sowie Kefirmolke aus selbst gemachtem Milchkefir ein. Kefir ist mikrobiologisch besonders komplex: Im Gegensatz zu Joghurt enthält er neben verschiedenen Milchsäurebakterien auch Hefen. In Laboruntersuchungen werden für bestimmte Kefir-Mikroorganismen auch Wechselwirkungen mit Candida-Arten beschrieben. Im GAPS-Ansatz ist genau dieses Zusammenspiel verschiedener Mikroorganismen ein Grund dafür, Kefir behutsam einzuführen. Wird er zu schnell oder in zu großer Menge eingeführt, können nach diesem Modell stärkere Die-Off-Reaktionen auftreten. Deshalb gilt auch hier: ganz behutsam einführen, besonders bei Babys, die eine Candida-Belastung zeigen.

Wenn dein Baby die täglichen probiotischen Getränke gut verträgt und Rohkost bereits eingeführt und vertragen wird, kann das erste Gemüseferment folgen. Ist dein Baby aber für den nächsten Schritt bereit, heißt es in meinem babybiom-Kurs tatsächlich: Wir machen Sauerkraut zusammen! Keine Sorge: Du bekommst von mir ein Easy-Peasy-Sauerkraut-Rezept, das auch gelingt, wenn du noch nie in deinem Leben ein Fermentglas angesetzt hast.

Achtung, Verschluckungsgefahr: Wenn dein Baby mit kleinen Stücken noch unsicher ist, kannst du das Sauerkraut sehr fein schneiden oder etwas Sauerkraut mit Lake zu einem feinen Püree mixen. Konsistenz und Stückgröße müssen natürlich immer zum Entwicklungsstand deines Babys passen.

So wächst die Vielfalt nach und nach. Nicht nur auf den Tellern, sondern auch in den kleinen Bäuchen. Und wie ihr wisst, entschlüsselt die Mikrobiomforschung immer weiter, welche Rolle ein vielfältiges – oder eben weniger vielfältiges – Darmmikrobiom für unsere Gesundheit spielt. Zusammenhänge mit chronischen Erkrankungen, Allergien und Autoimmunerkrankungen sind längst ein großes Forschungsfeld.

Deshalb sind Fermente für mich in der Baby-Beikost kein fancy Trend. Sie sind eine Rückbesinnung auf Lebensmittel und Bausteine, die unseren Körper seit Generationen begleiten. Und für mich geht es dabei um noch mehr: um intergenerationelle Regeneration.

Was und wie wir als Familie essen, prägt zunächst die Ernährungswelt und die Gesundheit unserer Kinder. In dieser Ernährungswelt sollen fermentierte Lebensmittel mit der Zeit etwas vollkommen Normales werden – Lebensmittel, die später ganz selbstverständlich neben anderen Lebensmitteln auf dem Familientisch stehen und wunderbare, nahrhafte Snacks sind: Joghurt oder Sauerrahm mit fermentierten Beeren, ein gekochtes Ei mit etwas Sauerkraut oder Hähnchenfleisch mit Kohl-Tonic oder gemischtem fermentiertem Gemüse.

(Und wenn ihr jetzt denkt: „Waaas, sowas essen Babys oder Kleinkinder doch nicht!“ – doch, genau. Babys und Kleinkinder, die beispielsweise nach GAPS oder mit einem traditionellen Ernährungsansatz früh an fermentierte Lebensmittel herangeführt werden, essen genau so 😊).

Und ja, irgendwann machen sie sowieso, was sie wollen. Spätestens im jungen Erwachsenenalter wird das Leben vielleicht wild und die Ernährung auch mal nachlässig. Aber gerade dann möchte man bis dahin zu Hause eine gute Basis geschaffen und gelebt haben. Denn was von klein auf selbstverständlich war und tief verankert ist, wird auch in diesen Lebensphasen nachwirken – und etwas sein, auf das sich unsere Kinder später immer wieder zurückbesinnen können.

Also: Fang mit einem Tropfen an. Und dann bleib dran.

Legt los – und lasst Mikroben toben!

Quellen und Weiterlesen
Campbell-McBride, Natasha: GAPS – Gut and Psychology Syndrome. Wie Darm und Psyche sich beeinflussen – Natürliche Behandlung von Autismus, AD(H)S, Dyspraxie, Legasthenie, Depression und Schizophrenie. 2. deutsche Auflage, Unimedica im Narayana Verlag, 2015. E-Book ISBN 978-3-946566-40-3. Microbiome-Lesson-1-V3-2024_Imm…
Campbell-McBride, Natasha: Gut and Physiology Syndrome. Unsere Gesundheit beginnt im Darm! Natürliche Behandlung von Autoimmunerkrankungen, Allergien, Arthritis, Verdauungsproblemen, Müdigkeit, Hormonstörungen und neurologischen Erkrankungen. 1. deutsche Auflage, Unimedica im Narayana Verlag, 2022. ISBN 978-3-96257-292-1.
Corrado, Monica: The Complete Cooking Techniques for the GAPS Diet. 2nd Edition, Selene River Press, ISBN 978-1-943323-60-9.
Fallon Morell, Sally; Cowan, Thomas S.: The Nourishing Traditions Book of Baby & Child Care. Nourishing Traditions, 2013. Simon & Schuster
von Loeper, Ulrike: Kochen für Babys – Kerngesund durch Ur-Ernährung. 1. Auflage, 2020, ISBN 978-3-9822510-8-0. Narayana Verlag
Erlich, Katherine; Genzlinger, Kelly: Die ideale Ernährung für Ihr Kind: So bleibt Ihre Familie gesund. Narayana Verlag, 1. deutsche Auflage, 2020. ISBN 978-3-96257-152-8.

Bettina Neurohr

Bettina ist Expertin für Darmgesundheit & Mikrobiom, Funktionelle Ernährungsberaterin, Certified GAPS Coach, zertifizierte Fermentista und Gründerin von minibiom.

Sie verbindet ihren wissenschaftlichen Hintergrund aus fast 20 Jahren in der akademischen Forschung mit ihrer praktischen Arbeit mit Familien, Müttern, Babys und Kindern – und ihrer persönlichen Erfahrung mit ihrem  Sohn Karli.

Bettina Neurohr sitzt in einem Klassenzimmer

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